Dienstag, 30. Januar 2018

Leaving him

It's a fucking huge price to pay for no regrets.
steppenhund - 3. Feb, 20:27

Ich weiß nicht, was mich bewogen hat, von diesem Eintrag ausgehend, in die Vergangenheit zu lesen.
Von Eintrag zu Eintrag war ich mehr gefesselt. Der Eindruck verstärkt sich, mehr und mehr über eine Liebesempfindung zu lesen. Es ist keine Liebesgeschichte, eher der Verzicht einer solchen, die aber durch die einzelnen Einträge eine schwere Tiefe vermuten lässt.
Auf eine gewisse Weise scheinen die Begleitumstände sehr nahe zu kommen.
Ich werde an eine Dichtung von Anton Wildgans erinnert: Sonette an Ead. Der Autor untertitelte "Ein Buch für Menschen".

Ausgelöst wurde diese Dichtung durch ein siebzehnjähriges Mädchen.


Das 12. Sonett

Und bin doch schon so alt - wohl nicht an Jahren,
Doch manchmal, wenn ich Menschen reden höre,
Wie jener fürchtet, daß er dies verlöre,
Und dieser klagt um Dinge, welche waren -

Da weiß ich erst, wie viel ich schon erfahren;
Denn so ist nichts mehr, daß es mich betöre
Und meines Grames stumme Kreise störe -
Ist dies nicht eines Alternden Gebaren?

Und dann mein Herz - es schlägt nicht mehr so laut,
Wenn andre, Jüngre von den Zielen sprechen,
Die man aus Wünschen in die Wolken baut

Und die, vom trunknen Blicke kaum geschaut,
Beim ersten rauhen Windstoß niederbrechen -
Es altert schon, es schlägt nicht mehr so laut.

Das war die auslösende Begegnung, Wildgans schreibt darüber:
Ein kleines Mädchen, siebzehnjährig, über ihr Alter reif - musikalisch - mit der Feinfühligkeit der Nerven ausgestattet, weniger oder gar nicht mit der des Herzens. Dieses Mädchen auf dem Wege, sich in mich zu verlieben. Ich ihr im Unterbewusstsein geneigter, als mir ahnte - alles aber noch unter der Schwelle unseres beiderseitigen Bewußtseins. So weit, ehe meine Frau nach Mönichkirchen kam. Dann kam sie, ahnte Unausgesprochenes, kaum Angedeutetes mit dem Instinkt des Weibes, das lieber den Körper als die Seele des Mannes verliert. Fing an, daran zu leiden. - Aber jenes Nymphchen, einsehend, dass eine hübsche junge Frau ein zu starkes Gegengewicht gegen Sie bilde, und weiter erkennend, daß ich um ihretwillen meine Frau nicht vor den Kopf stoßen würde, schwenkte ab, zu einem Menschen, auch Ehemann, der skrupelloser als ich - schien!

Das hat doch gar nichts mit Ihrer Situation zu tun. Und trotzdem fühle ich mich in meine Vergangenheit zurückgesetzt, in der ich damals nach der Lektüre der Gedichte selber zu "dichten" anfing. Fürchterliches, wie mir heute scheint. Irgendwann habe ich alles weggeworfen.
Ich weiß nur, dass ich das erste Werk "Sonett an Solitude" betitelte :)

Ihre Texte haben die Erinnerung hervorgeholt. Eine Partnerschaft, in der man so starke Gefühle aussprechen und teilen kann, mag ein reiches Leben ermöglich.

Maybe no price is too high to afford emotions.

wilhelmina - 23. Feb, 14:34

Danke!

Überraschung und Dankbarkeit empfinde ich, so wohlgesonnene und verständige Worte eines offensichtlich kultivierten, gebildeten, Chopin liebenden Menschen zu lesen.

Meine Texte sind so privat, dass sie regelmäßig keine Beachtung erfahren, niemand den Blog kennt und keine Person meines Lebens davon Genaueres weiß. Insofern haben Sie nun intuitiv sehr intime Ahnungen meiner Gefühlswelt erhalten, merkwürdiges Gefühl :)

Und die Anmerkung bzgl. Anton Wildgans passt, Ihre Assoziation ist fruchtbar und willkommen. Denn die Unerfülltheit, der Schmerz, die Sehnsucht nach etwas und deren Ersterben, das sind ja doch Kern meiner Einträge. V.a. aber, wie Sie so zutreffend bemerkt haben, ist es eine Liebesgeschichte des Verzichts. Eine Beobachtung des Sterbens, eine Auferstehung im nur Gesehnten und die beginnende Selbsterkenntnis der tiefen Einsamkeit in einer Beziehung, die kulminiert in der Sehnsucht nach Fremdem.
Tatsächlich habe ich im wirklichen Leben meinen Wünschen nach Außen und der erkennenden Trauer nach Innen nachgegeben und die tatsächlich existierende langjährige Beziehung ist kürzlich beendet, wie der Beitrag oben auch vermuten lässt. Es fällt mir nun leichter, um den Verlust einer Liebe zu trauern, den man nur einmal hat, als um den Verzicht in einer Beziehung, den ich womöglich noch mein ganzes Leben gespürt hätte. Sicher folgen trotzdem noch viele Texte :)
steppenhund - 23. Feb, 15:46

Ich hoffe, Sie werden mir bekannt geben, wo ich weitere Texte von Ihnen finden werde, wenn twoday hier im Mai seine Dienste einstellt.
Ich selbst bin ja von hier schon lange ausgezogen. Es ist interessant, dass Sie aus den Texten, die ich nicht übersiedelt habe, gerade eine Chopin-Affinität heraus gelesen haben. Das Konzert, bei dem ich auch die Ballade spielte, ist schon fast zwei Jahre her. Inzwischen hat sich einiges verändert. Mein Hauptblog, dass aber auch nur sehr selten beschickt wird, findet sich jetzt auf steppenhund.wordpress.com. Möglicherweise gefällt Ihnen dort die Geschichte "Kirlianfotografie". Die stammt immerhin noch aus 2005.
Ich sehe, dass ich in meinem Blog doch einige Nachträge anfügen muss. Dorthin kommen eigentlich nur mehr Geschichten, die ich für speicherwert halte.
Alles Andere belasse ich jetzt auf meinem Computer. Nur manchmal stelle ich etwas, was dort gut abgelegen ist, wieder in einen öffentlichen Rahmen :)
Es gibt einiges über Liebe und Verzicht zu erzählen. Als Fünfzehnjähriger war ich das erste Mal in der Oper und habe den Rosenkavalier von Richard Strauss gesehen. Es war eine Freikarte von der Musikschule. Mein Vater erzählte mir den Inhalt und meinte, dass die Oper eigentlich noch zu früh für mich wäre. Ich kann diese Aussage durchaus verstehen.
Interessanterweise habe ich als ziemlich unreifer und unerfahrener "Bub" doch etwas herausgezogen, was ich auch heute noch ganz ähnlich sehe. Das Schönste an der Oper ist der Verzicht der Marschallin auf den jugendlichen Liebhaber. Die Oper ist ja eigentlich eine Komödie, bei der man fast immer lachen könnte, doch die Arien der Marschallin "Die Zeit ist ein wunderlich Ding" und "Hab mir's gelobt ... ihn richtig zu lieben", was den Verzicht bedeutet, haben mir schon damals den größten Eindruck gemacht.

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